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Die Kapelle auf dem Alten Friedhof

-Kapelle auf dem Alten Friedhof (Südseite)
Kapelle auf dem Alten Friedhof (Südseite)

Die Geschichte unserer Kapelle

Gießen wurde 1530 zur Festung erklärt und in den folgenden Jahren den militärischen Erfordernissen entsprechend umgebaut. Landgraf Philipp der Großmütige ließ rings um die Stadt Wall und Graben errichten. Für ein freies Schussfeld und um Feinden Deckungsmöglichkeiten zu nehmen, wurden die Bauten des nahezu ausgestorbenen Dorfes Selters im Süden der Stadt entfernt. Dieser Maßnahme fielen auch die Peterskirche und der angrenzende Friedhof auf dem Seltersberg zum Opfer. Der Gießener Friedhof an der Stadtkirche bot der wachsenden Bevölkerung zu dieser Zeit immer weniger Platz für ihre Toten. Die Enge des bis dahin genutzten Stadtfriedhofs und die Beseitigung des Friedhofes in Selters erforderten die Anlage eines neuen "Gottesackers".

Ausgewählt wurde eine Fläche im Osten, vor den Toren der Stadt, die bereits vorher als Begräbnisstätte für Pesttote diente. Allein durch die Pestepidemie von 1529 starben etwa 1500 Menschen in Gießen, sicherlich mehr als die Hälfte der damaligen Bevölkerung. Dieser Pestacker, der älteste Teil am Nahrungsberg, wurde im Jahr des Festungsbaus 1530 zum städtischen Friedhof erklärt. Die Kapelle wurde 1623 - 1625 vom Stadtbaumeister Ebel zum Hirsch erbaut. Sie war damals das erste steinerne Haus am Nahrungsberg.

Es ist unsicher, ob der Bau des 17. Jahrhunderts schon mit dem Fachwerkobergeschoss versehen war oder ob dies erst das Werk Hugo von Ritgens war, nach dessen Plänen die Kapelle 1840 von Grund auf renoviert wurde. Die Proportionen des Baus sprechen dafür, dass Ritgen die ältere Konstruktion erneuert hat. Der Dachreiter ist dagegen sicher Ritgens Erfindung.

Weitere wesentliche Umbauten erfuhr die Kapelle im 20. Jahrhundert:

Nachdem die 1927 gebildete Ev. Luthergemeinde die Kapelle als Gemeindekirche übernahm, wurden Kanzel und Altar, die sich bis dahin traditionsgemäß im Osten befanden, in den Westteil verlegt. Die drei Zugänge an der Südseite wurden verschlossen und durch einen neuen Zugang an der Nordseite ersetzt.

 

 

 

 

Literatur:

Der Alte Friedhof in Gießen : ein Rundgang durch Kunstgeschichte und Baumkunde / Edelgard Heim ... - Gießen : Magistrat, Dez. für Umwelt, Stadtentwickl. u. Bauwesen, 1991 (Auszüge daraus im Text oben)

Der Alte Friedhof in Gießen / Gerhard Bernbeck. - 3., erw. Aufl. / erw. mit einem Farbbildteil von Karl-Heinz Brunk. - Gießen : Verl. der Ferber'schen Univ.-Buchh., 1997

Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland Kulturdenkmäler in Hessen / hrsg. vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen,
Teil: Universitätsstadt Gießen / Karlheinz Lang ... 1993, ISBN: 3-528-06246-0, S. 282-283

[siehe auch: "DenkXWeg - Kulturdenkmäler in Hessen" (Datenbank des Landesamtes für Denkmalpflege in Hessen), Abschnitt "Friedhofskapelle"]

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